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„Hallo Steffen, hier ist Claus vom Seefuchs. Pass auf, wir haben unseren Plan etwas angepasst, wir werden morgen gegen Mitternacht auslaufen. Am besten wäre es, du bist gegen 17 Uhr hier. Dann können wir noch ganz in Ruhe einladen und ich zeig dir noch das Schiff“. Ich bestätige die Uhrzeit und fange an zu packen. Was nimmt am besten auf so einem Schiff mit? Der Tipp war: „Hauptsache keine Sonntagsklamotten und warm müssen die Klamotten halten.“ Ich suche mir also ein paar Jeans raus, zwei alte Pullover, den Regenanzug, alte Schuhe, Gummistiefel (ganz wichtig) und noch meine alte Winterjacke. Den Schlafsack und Isomatte herausgekramt, wer weiß ja schon, wie die Übernachtungsmöglichkeiten aussehen. Am nächsten Tag ins Auto gestiegen, Kurs in Richtung Stralsund gesetzt und los ging es.
In Stralsund angekommen, musste ich noch über die alte Rügenbrücke auf die Insel Dänholm. Schon beim Überqueren der Brücke konnte man das ehemalige Fischereischiff, rot angestrichen an seinem Liegeplatz erkennen. Wie abgemacht, schiebe ich einfach das Tor vom Museum zur Seite und fahre direkt zum Schiff vor, um mein Gepäck auszuladen. Beim Öffnen des Kofferraumes lass ich den Blick durch die Gegend schweifen. Links von mir sind einige Seefahrzeuge vom Museum „Nautinum“ ausgestellt. Hinter diesen Fahrzeugen erhob sich die riesige Volkswerft Stralsund mit seinen Kränen. Rechts von mir im Kanal lagen ebenfalls zwei Forschungsschiffe und ein Schiff von der Küstenwache. Diese Schiffe waren recht neu und der Seefuchs (Baujahr 1958) wirkte daher schon doch etwas älter. Der Blick zur alten und neuen Rügenbrücke ließ typisches Hafentreiben erkennen. Schiffe wurde beladen, Ladungen wurden gelöscht.

Seefuchs

Seefuchs

Als mein Blick sich wieder dem Seefuchs sich zuwendete, kam auch schon einer der Schiffseigener Claus über die Rampe und begrüßte mich herzlichst. Als erstes zeigte er mir die Schlafplätze, bzw. Kojen im Vordergang. Es ging ein paar schmale Stufen runter in den ehemaligen Ladebereich im Bug. Da ich ja als erster das Schiff betreten hatte, suchte ich mir also auch die beste Schlafmöglichkeit aus. Ich legte meinen Kram in die Koje und folgte dann Claus über das Deck Richtung Achtern zur Messe. Bei frisch aufgebrühtem Tee erklärte mir Claus, wie die ganzen Expedition eigentlich so laufen wird. Ziel der Expedition: Die Aufnahmegeräte der Schweinswalbojen einsammeln und durch neue ersetzen. Eigentlich recht einfach: Die Messgeräte zeichnen circa zwei Monate Geräusche der Meeressäuger zur späteren Auswertung auf. Diese Bojen sind an bestimmten Stellen östlich bis nördlich vor der Insel Rügen verteilt. Meine Aufgabe: Helfende Hand für alles, Unterstützung und das Hinterfragen der Seemannsromantik.
Nach dem Tee zeigte man mir den Rest des Schiffes: Brücke, Achterdeck und den Maschinenraum. Im Maschinenraum wurden mir die wichtigen Anzeigen für diverse Temperaturen, Flüssigkeitsstände und Druckverhältnisse der einzelnen Gerätschaften an den Motoren gezeigt, im Falle, dass ich diese auch alleine interpretieren und damit umzugehen müsste.
Die Dämmerung setzte ein und so langsam tauchten alle der insgesamt acht Besatzungsmitglieder auf. Kapitän, Steuermann, Maschinist, Expeditionsleiter und Mitarbeiterin und Mitarbeiter ein. Der Proviant wurde in die Lager verstaut und auf dem Herd köchelte noch die Abendsuppe vor sich hin. Die Route wird im Navigationsgerät eingegeben und das Schiff zur Abfahrt vorbereitet. Ich entschied mich bis zum Motorenstart noch eine Runde aufs Ohr zu hauen, da wir die Nacht durchfahren würden.

Durch die Nacht

Durch die Nacht

Gegen Mitternacht war es dann soweit. In einer 10 minütigen Startprozedur warfen wir die Hauptmaschine an und das Dieselaggregat brachte sich in Schwung. Dieses Arbeitsgeräusch sollte nun in den nächsten Stunden nicht aufhören. 30 Minuten später hieß es dann „Leinen los, leichte Fahrt zurück!“. Das Schiff setzte sich langsam in Bewegung. „Steffen, jetzt gibt es kein Zurück mehr!“, rief der Captain noch zu mir mit einem leichten Lächeln im Gesicht und wir fuhren in östlicher Richtung über den Strelasund in Richtung pommersche Bucht. Geschätzte Ankunftszeit zur ersten Station: 0630. Nach zwei Stunden Fahrt löste uns die nächste Wachmannschaft ab und ich stieg in die Koje.
In der Nacht bemerkte man deutlich, wie die See rauer wurde, das Schiff rollte leicht nach rechts und links. Zwischen mir in der Koje und der Wasserlinie war nur etwas Stahl und man hörte, wie das Schiff sich durch das Wasser pflügte. Ungewohnte Geräusche für mich, aber man konnte trotzdem gut schlafen in dieser schwankenden Umgebung.
Am nächsten Morgen stieg ich ganz normal aus der Koje und ging wieder über die schmalen Stufen zum Hauptdeck. Auf der letzten Stufe erkannte ich dann, dass wir uns nun mitten auf der See befanden: Kein Land zu sehen und die Wellen sorgten wieder für schwankende Schiffsbewegungen. Der Gang zur Messe musste ich in zahlreichen Ausfallschritten absolvieren, um nicht ganz das Gleichgewicht zu verlieren. In der Messe angekommen, begrüßte man mich mit Tee und Brötchen (ich war der letzte, welcher zum Frühstück erschienen ist). Nach dem ausgiebigen Frühstück machte ich erstmal unsere Position aus, um überhaupt zu sehen, wo wir uns nun befinden. Der Monitor zeigte uns irgendwo auf dem „Adlergrund“.
Die nächste Station war bereits in Sichtweite. Mit langsamer Fahrt näherten wir uns der Orientierungstonne. Meine Aufgabe war nun, mich auf den Bug zu stellen und dem Steuermann zu zeigen, wo sich die Tonne befindet, damit wir diese nicht über den Haufen fahren. Neben der Tonne waren zwei kleine Bojen zu erkennen, an denen waren die Aufnahmegeräte für die Schweinswale angehangen. Mit dem langen Bootshaken stand ich also auf der Spitze und beobachte das Treiben der in fischerreimäßigen bekleideten Mannschaft. Mit einem Haken wurden die Bojen eingefangen und anschließend über eine Winde auf das Boot gezogen. Während des Einholens wurden schon zahlreiche Muscheln und andere kleine Arten von Meeresbewohnern von den Seilen entfernt und auf dem Deck verteilt. Es machte sich ein typische Strandgeruch breit, als ob man direkt am Strand stehen würde, an dem in der Nacht viel angespült wurde.
Nach dem alles sauber gemacht wurde, wurde das neue Aufnahmegerät an die Seile der Bojen gehangen und alles ganz langsam wieder ins Meer entlassen.

Die Bojen werden eingeholt

Im weiteren Tagesverlauf holten wir dann noch vier weitere Bojen ein und erneuerten deren Aufnahmegeräte. Zwischen den Stationen hatte man viel Zeit, welche vielseitig genutzt wurde. Ich persönlich stellte mich einfach vorne auf den Bug und blickte in den nicht endenden Horizont. Einfach die Seele baumeln lassen und den Kopf frei bekommen. Zwischendurch ging es immer wieder in den Maschinenraum, um zu sehen, ob noch alles funktioniert. Natürlich wurde ich auch auf die Brücke gestellt, um etwas mehr über Navigation auf der See zu lernen und auch, wie man so ein Schiff steuert. Zwei Stunden lang übernahm ich das Steuer und hielt den vorgegeben Kurs stabil. Mit circa 9 Knoten, knapp 16 km/h fuhren wir immer weiter in westliche Richtung.
Nach der letzten Station für diesen Tag fuhren wir in die geschützte Bucht vor Hiddensee. Der Ankerkette ratterte laut den Bug runter und der Anker verschwand in der Tiefe. Das Ankerseil war nun fest gestrafft und der Hauptdiesel konnte abgeschaltet werden. Nach 15 Stunden mit dem ständigen Geräusch von diesem Ungetüm wurde es nach dem Abschalten sehr sehr ruhig auf dem Schiff. Eine angenehme Ruhe macht sich breit. Als es dann dämmerte wurde allen zum Abendbrot gerufen. Es gab es ausgiebiges Essen aus Buletten, Kartoffeln, selbst gemachten Sauce, Salat und Quarkspeise. Besser hätte man den Tag nicht abschließen können.
Die Sonne verabschiedete sich langsam am Horizont und der Abend war mild. Alle saßen noch etwas auf dem Deck und tauschten Geschichten aus.  Immer wieder kamen auch kleine Fischerboote vorbei, um den Fang an Land zu bringen. Von Hiddensee aus beleuchtete uns der Leuchtturm auf dem Dornbusch. Wieder Seefahrtsromantik pur.
Die Nacht war auch sehr entspannt, da die See sehr ruhig war. Nach dem Frühstück gab es dann wieder die normalen Aktivitäten. Motor starten, Anker einholen und bitte alles so verstauen, dass nichts durch die Gegend fliegt. Der Wetterbericht hatte etwas Wind angesagt und die offene See sollte rauer als dem Vortag werden. Gesagt, getan. Wir fuhren aus der Bucht hinaus, wieder Richtung Westen bis zur nächsten Tonne. Die raue See war wirklich zu spüren. Die Wellen, welche uns Backbord trafen, sorgten für etwas Wasser auf dem Deck.  Das Schiff tanzte durch die Wellen mit circa 8 Knoten. Auf unserem Weg begleiteten uns einige Segelboote, welche auch ordentlich mit dem Wind zu tun hatten.

An der ersten Station machten uns die Wellen die Arbeit schwerer als erwartet, es dauerte bemerklich länger die Bojen einzuholen. Da wir aber am Vortag mehr Station abfahren konnten als geplant, konnten wir uns nun mit den letzten zwei Stationen doch mehr Zeit lassen.
Auf dem Weg zurück bereitete unser Koch das Donnerstagsmahl vor. Donnerstag ist der sogenannte Schiffersonntag. Es konnte mir zwar keiner erklären, warum der Donnerstag dafür auserwählt wurde, aber der Sinn dahinter war eindeutig: Donnerstags gibt auf See das Beste, was die Küche hergeben kann. So wie an Land das Beste am Sonntag serviert wird. Während der Vorbereitungen übernahm ich auch wieder eine Zeit lang das Steuer. Das Wetter besserte sich, der Himmel wurde wolkenlos und man hatte einen 1A Blick auf die Insel Rügen. Langsam fuhren wir am Königstuhl und den Kreidefelsen vorbei. Langsam färbte sich der Himmel durch die untergehende Sonne rot, es ergab einen Wahnsinns Blick von der Brücke und vom Deck aus. Die Umgebung wurde dunkler und anschließend waren nur einzelne Lichter an der Küste, der Mond und die roten und grünen Lichter der Fahrbojen zu erkennen. Da auch kaum andere Schiffe unterwegs waren, hörte man nur noch den Schiffsdiesel und das genügsame verdrängen des Wassers durch den Schiffsrumpf.

Alles unter Kontrolle

Alles unter Kontrolle

Gegen Mitternacht erreichten wir den Heimathafen. Da dieser aber ungünstig für das Schiff, bzw. für unsere Fahrtrichtung liegt benötigten wir einige Anläufe, um das Boot sicher anzutauen. Nachdem Das Schiff fest verzurrt wurde, schalteten wir wieder den Diesel ab. Schon wieder breitete sich ein Gefühl der Stille aus. Die letzten Arbeiten wurden auch erledigt und so allmählich verließen die einzelnen Crewmitglieder das Schiff. Am Ende waren nur noch der Bootseigener, der Kapitän und ich an Bord. Wir schlossen den Abend mit einem Bierchen ab und die beiden gaben noch einige spannende Seemannsgeschichten von sich.
Am nächsten Tag hieß es dann auch für mich: Alles zusammenpacken und das Schiff verlassen.
Es war ein wirklich spannender Trip mit vielen unbekannten, welche aber erfolgreich gemeistert wurden. Da ich noch nie auf so einem Schiff selber mitgefahren bin, war hier alles für mich neu. Ein kleiner eigener Kosmos in sich. Die Crew war sehr genügsam mit mir und wir hatten eine tolle Zeit zusammen. Die Expedition war auch sehr erfolgreich und alle Walbojen konnten durch neue ersetzt werden. Die Daten, welche von den Bojen aufgenommen wurde konnten vermutlich auch bereits ordentlich genutzt werden.

Hier sind noch mal alle Bilder:

 

Fahrradweg Berlin-Kopenhagen

Zwei Hauptstädte werden durch einen Fahrradweg verbunden. Diese besondere Reisemöglichkeit wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Die Reisetruppe bestand diesmal aus Dave, Bert, Paul, Basti und Steffen. Wir kennen uns schon alle seit der Schulzeit und haben uns entschieden, den Trip zu wagen. Jeder ist zwar von uns schon mal hat zwar schon ein paar Radtouren hinter sich, aber die Distanz und Strecke war für alle etwas Neues. Keiner hatte solche Erfahrung bis jetzt gesammelt. Das Ziel war einfach: jeden Tag knapp 100km fahren, damit wir innerhalb von sieben Tagen in Kopenhagen ankommen.

Die Vorbereitungen waren simple: Fahrrad durchchecken und vorbereiten, Gepäck so weit reduzieren, dass es nicht mehr als 20kg werden. Fährticket ließ sich auch schnell buchen. Noch schnell eine Tourenkarte organisiert, Klamotten imprägnieren. Kurz vor der Abfahrt wurden noch schnell ein paar Lebensmittel für die nächsten drei Tage gekauft, damit man rundum versorgt ist.
Die zu fahrenden Etappen wurden nach Zeltplätzen ausgewählt, so dass man 6-8h unterwegs ist und 100km fahren sollte.

Hier geht es zur Bildergalerie

1. Etappe:

Der Wecker klingelte schon sehr früh, da wir uns circa 8.30 Uhr am Sammelpunkt treffen wollten. Ein Blick aus dem Fenster brachte Ernüchterung: Der Himmel war eine graue Einheitsmasse und es sah einfach ungemütlich aus. Nicht wirklich einladend zum Fahrradfahren. Aber egal, geplant ist geplant und es wird durchgezogen.

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Startbild

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Wo geht es lang?

Schon am Treffpunkt angekommen, mussten die Regenklamotten angezogen werden. Jeder war trotzdem positiv aufgeregt und wollte endlich loslegen. Ziel der ersten Etappe war ein Nest namens Swenzow am Großen Labussee, in der Nähe von Wesenberg (bereits in Mecklenburg-Vorpommern.) Die 105km lange Etappe startete erfolgreich und wir kamen gut voran. Bereits nach drei Stunden kam der erste große Regenguss. Es war kein Schauer mehr, durch welchen man einfach durchfahren kann. Wir suchten einen kleinen Biergarten auf und mussten eine Stunde zwangspause einlegen, da eine Weiterfahrt so nicht möglich war. Die Strecke führte uns dann weiter an diversen Seen vorbei, kleine Städte (z.B. Zehdenick, Fürstenberg) und ein paar Sehenswürdigkeiten, abseits der großen Menschenansammlungen. Allgemein fährt man viel in der Abgelegenheit, weit weg von großen Straßen. Große Höhenunterschiede mussten nicht überwunden werden und wir konnten schnell unser Tempo finden, um gut voranzukommen. Das Wetter wurde auch besser im Laufe des Tages, so dass wir dann am Ziel in der Sonne entspannen konnten.
Der Zeltplatz war ebenfalls eine gute Wahl. Alles gepflegt, sauber und auch sehr ruhig gelegen.

 

2. Etappe:

Die erste Nacht auf den Isomatten war natürlich nicht so erholsam, wie gedacht. Da wir trotzdem genug geschlafen hatten (eben nur nicht so bequem), fühlte man sich trotzdem nicht so geplättet wie erwartet. Nach einem ausgiebigen Frühstück bauten wir die Zelte ab und verstauten unseren Kram wieder auf Fahrrad. Es hat etwas länger gedauert als geplant, daher ging es mit etwas Verspätung wieder weiter. Das Ziel der der zweiten Etappe war nun der Krakower See. Zu überwindende Distanz: 110km.DCIM100GOPROG0046133.

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Auf nach Speck

Das Wetter war weiterhin gut und wir konnten hochmotiviert in die Pedalen treten. Langsam machten sich aber diverse Schmerzen bei den Teilnehmer breit. „Ah mein Knie“, „oh mein Knöchel“, „ich glaube mein Oberschenkel macht nicht mehr lange mit“ waren regelmäßige Äußerungen. Das Gelände wurde unangenehmer, es gab viel Auf- und Abfahrten. Bis zum ersten Stop beim Heinz-Schliemann-Museum (Der Typ der Troja ausgegraben hat) war alles noch in Ordnung. Erst der Streckenabschnitt danach erforderte viel Energie, um diesen zu überwinden. Vom Museum bis Waren an der Müritz wurde unsere kleine Kolonne immer weiter auseinander gezogen, da wir kein gemeinsames Tempo mehr finden konnten. Nach einer ausgiebigen Pause in Waren wurde die Strecke wieder angenehm. Bei normalem Tempo erreichten wir abends dann den Zeltplatz am Krakower See. Ein sehr idyllisches Plätzchen, ohne Stress. Die Zelte wurden wieder aufgebaut und die abendliche Routine trat ein: Essen im Campingkocher zubereiten, noch ein paar Bier von der Tanke holen und etwas Musik aus dem Monolautsprecher hören.

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Feierabend

 

Da eh keine anderen Camper weit und breit waren, war die Nacht ebenfalls ruhig und man schläft nach so einem Tag eh sofort ein. In der Nacht hat es dann noch stark geregnet, aber das innere der Zelte blieb trocken.

 

3. Etappe:

Durch den Regen der letzten Nacht mussten erstmal die Zelte wieder trocken gebracht werden. Alle wirkten etwas zerknickt, aber nach einem ausgiebigen Frühstück hob sich auch die Stimmung. Die Sonne kam wieder raus und die dritte Etappe konnte gestartet werden. Leider verloren wir auf dem ersten Kilometer schon Dave und Bert. Nach ein paar weiteren Kilometern kam es dann auch schon zu weiteren Problemen: Der erste Platten!! Und das auch noch bei mir auf dem Hinterrad. Nützte alles nichts. Gepäck abspannen, Hinterrad raus nehmen, Mantel ab und nachsehen, warum das Problem aufgetreten ist. Vor allem: es war ein „unplattbarer“ Reifen von Schwalbe. Irgendwie enttäuschend jetzt trotzdem mit einem platten Reifen in der Pampa festzusitzen.

Erster Platten

Erster Platten

30 Minuten später war alles wieder in Ordnung und es ging weiter. Robert und Dave tauchten auch wieder auf. Die nächsten Kilometer ging es dann ziemlich oft bergauf und bergab. Es war aber ein angenehmes fahren, da es mitten im Wald war, also nur sehr wenig Wind.
Nach unserem Mittagspäusschen wurde das Wetter schlechter. Es kündigte sich langsam und kurz darauf fielen die ersten Tropfen vom Himmel. Der Wind hat auch angezogen. Zu allem Glück kam noch dazu, dass der Weg auf einmal komplett gesperrt war, Aufgrund von Bauarbeiten. Leider gab es nur zwei Möglichkeiten: den Bauzaun umgehen oder umdrehen und die letzten 2 km zurückfahren. Wir entschieden uns für die erste Auswahlmöglichkeit, diese Variante ging auch schneller. Auf der Baustelle herrschte dann wieder Verwirrung unseres Seitz, aber ein freundlicher Ingenieur zeigte uns den Weg. Er hat uns somit freundlich klar gemacht, dass wir uns doch nun endlich hier verziehen sollten. Gesagt getan.
Bis zur nächsten Stadt wurde die Kolonne immer länger. Paul und Basti waren nicht mehr vor mir zu sehen, Dave und Bert konnte ich hinter mir auch nicht mehr finden. Der Regen hielt an und die Motivation sank ab. Basti und Paul holte ich dann ein und wir konnten weiterfahren. Dave und Bert bleiben weiter abwesend. Nach einer kurzen SMS machten wir den beiden klar, dass sie auf die Tube drücken sollten und wir würden uns dann in Schwaan wieder treffen, unserem nächsten Haltepunkt.

Wilde Tiere

Wilde Tiere

Der Regen wollte einfach nicht aufhören, dazu kam, dass ich auch mein Knie mit Schmerzen meldete. Resultat: Die nächste Stunde fuhr ich quasi alleine, da ich das gemeinsame Tempo nicht mehr halten konnte. Keiner war aus meiner Sicht zu sehen. Basti und Paul wieder viel zu weit vorne, Dave und Bert immer noch nicht in Sichtweite. Es regnete weiter und langsam kam die Nässe auch durch die Kleidungsschichten. Ich zog das Tempo an, ohne zu wissen, wie weit es bis zum nächsten Treffpunkt in Schwaan war. In Schwaan angekommen, sah ich den ersten Teil des Teams schon gemütlich vor einem Café sitzen mit Tee, Kaffee und Kuchen. Mit den total verdreckten Klamotten habe ich mir dann ebnfalls erstmal ein teeartiges Heißgetränk mit Kuchen bestellt. Was für ein Genuss. Wir warteten circa 45 Minuten auf Dave und Bert. Die beiden tauchten dann auch auf und es sollte auch gleich weitergehen.
Alle gehen zu ihren Fahrrädern. Nur Basti steht verwundert vor seinem: „Tja Jungs, jetzt hab ich hinten keine Luft mehr drauf“. Während der Pause ging also die Luft raus. “Auch nicht schlecht“, dachten wir. Wieder alles abgebaut, aufgebockt und einen neuen Schlauch eingezogen. Die Zeit rannte uns etwas davon, wir mussten ja schließlich noch am Abend Rostock erreichen.

Warschauer Wippe in Schwaan

Warschauer Wippe in Schwaan

Wir steuerten unser letztes Ziel der dritten Etappe an. Ein kleines Haus am Rande von Rostock. Hier sollten wir bei Bekannten unterkommen. Als Dankeschön für die Einladung gab es von uns Gegrilltes und Bier. Der Gastgeber stellte noch lecker Salat und weitere Spezialitäten hinzu. Es war ein richtig gutes, ausgiebiges Abendbrot. Nach diesem Tag genau das richtige. Bert’s Knie kommunizierte nur noch über Schmerzen mit seinem Eigentümer, aber wir ließen uns davon nicht ablenken und genossen den Abend.

 

4. Etappe:

Unser Bettenlager im Keller mussten wir schon früh verlassen, da wir als nächstes unsere Fähre nach Dänemark erreichen mussten. Frühstück gab es unterwegs. Der Weg zum Hafen ging relativ schnell vorbei, aber wir merkten schon dass Bert sich wieder viel zu weit zurückfallen lassen hat. Am Fährhafen angekommen verkündete er uns, dass er lieber die Fahrt abbricht, bevor etwas Schlimmeres passiert. Wir verabschiedeten uns von ihm, holten noch schnell unser Ticket und fuhren weiter zur Laderampe.
Ich bin zwar schon oft diesen Weg mit dem Auto gefahren, aber mit dem Rad ist das etwas vollkommen anderes. Man fühlte sich schon etwas unbedeutender zwischen den LKWs und normalen Autos. Der große Schlund öffnet und wir fahren alle noch vor allen anderen Mitreisenden durch den Bauch der Fähre. Vorne angekommen einfach die Fahrräder an den Rand gestellt und gut.

Abschiednehmen von Bert

Abschiednehmen von Bert

In den Schlund

In den Schlund

Zur See

Zur See

Dritter Platten

Dritter Platten

Nach lockeren zwei Stunden Fahrzeit durften wir das Schiff auf dänischen Grund und Boden verlassen. Eine kleine Promenadenstraße mit dänischen Flaggen gehisst, war das Fundament für die ersten Meter. Typischer hätte man uns nicht willkommen heißen können. Am Ende der kleinen Stadt Gedser zeigte sich das Wetter hier von seiner typischen Seite: Sonne pur und starker Wind, zu diesem Zeitpunkt aus Nord-Westen. Da wir in die gleiche Richtung fuhren, aus welcher der Wind her kam, hatten wir also ordentlich zu tun. In der nächsten Stadt Nykøbing haben wir dann erstmal eine Stärkung im örtlichen Fast-Food Restaurant genutzt, um wieder Energie zu sammeln. Die anschließende Weiterfahrt sollte sich aber wieder verzögern, da bei meinem Hinterrad mal wieder die Luft raus war. Ein kleiner Glassplitter hatte sich durch den Mantel (unplattbar) gebohrt und den Schlauch mit einem Loch versehen. Durch unsere bereits gesammelte Flick-Erfahrung konnten wir aber doch wieder recht zügig die Weiterfahrt antreten. Die nächsten 40 km gingen relativ zügig von statten. Gute Straßen, Rückenwind und sehr wenige Autos sorgten für eine hohe Durchschnittgeschwindigkeit und entspanntes fahren. Wir fuhren auch durch ein schönes Waldgebiet direkt an der Küste. Ab und zu tauchte mal ein Haus auf, mehr war dort von der Zivilisation nicht zu sehen. Am Campingplatz angekommen konnte man bei blauen Himmel das Abendbrot im freien genießen. Später am Abend ging es noch zu der stattfindenden Festlichkeit zum Sankt Hans Fest. Bei diesem Fest kommt das ganze Dorf zusammen und zündet, so wie an weiteren Orten in ganz Dänemark ein sehr großes Feuer an, um symbolisch böse Kräfte fernzuhalten. Der Fjord war also mit mehreren Feuern ausgestattet, welche man überall auch aus der Ferne noch gut erkennen konnte. Das erste dänische Bier machten auch die anfänglichen Strapazen der Etappe vergessen. Natürlich haben wir auch auf Bert’s Wohl und Genesung getroffen.

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Sankt Hans Fest

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5. Etappe:

Der morgen sah nicht sehr begeistert aus. Der Wetterbericht zeigte Wind aus West mit 30km/h die Stunde an und kaum eine Chance auf Sonne für den Tag. Ein Blick auf die Karte zeigte zwar, dass wir für unseren ersten Teil Richtung Osten mussten, sprich Rückenwind bekommen, aber die darauffolgenden Abschnitte auch oft Richtung Westen fahren mussten. Um uns zu motivieren ging es zum Frühstück zum örtlichen Bäcker. Da die Dänen zum Frühstück keine Brötchenesser sind, passten wir uns an und kauften andere diverse Teigwaren, welche wir eher zur Kaffeezeit nachmittags essen würden. Da aber dieser Bäcker aus eigener Hand und auch vor Ort hergestellt hatte, schmeckte es umso besser. Könnte man sich in Deutschland auch wieder angewöhnen. Gestärkt ging es dann bei molligen 13°C runter zum kleinen Hafen, um die nächste Fähre zu bekommen. Diese sollte uns über den Fjord bringen. Auf der anderen Seite lag die Insel Mön, hier geht der Fahrradweg weiter.

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Übersetzen

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Auf dem kleinen Schiff merkte man den Wind schon ziemlich stark, ab und zu kam Wasser über das Frontdeck. 20 Minuten später waren wir dann wieder auf festem Boden und es konnte weiter gehen. Welch entspanntes Fahren, wir fuhren wirklich mit Rückenwind, sehr angenehm.
Mittag gab es in der kleinen Stadt Stege, beim dänisch-typischen Pizza-Araber.
Um von der Insel Mön auf die Insel Seeland zu gelangen, gibt es eine Brücke zu überqueren. Klingt erst einmal nicht spektakulär, es sei denn, die Umstände sind besonders. Am Brückenanfang war eine Windboje zu sehen, damit man ungefähr abschätzen kann, woher der Wind kommt und wie stark der Wind ist. Wie vermutet kam der Wind aus westlicher Richtung und das ziemlich stark. Als wir dann auf der Brücke merkten wir, was das bedeutet. Das Fahrrad musste sehr stark nach links, in den Wind hinein gelegt werden. Das war die einzige Möglichkeit den Wind etwas auszugleichen, bzw. dagegen zu wirken. Es dauerte ca. 10 Minuten, um die Brück zu überqueren. Was für ein Erlebnis. Der Wind schnürte einem die Luft ab, man Verstand sein eigenes Wort nicht mehr und ständig plötzlich auftauchende Böen sorgten für Balance-Probleme.

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Die Brücke

Etappenziel liegt vor uns

Der Rest der Etappe bis zum Zielort war relativ normal: Viele Anstiege, Gegenwind, kaum Sonne und Voltaren-einschmier-Pausen, damit diversen Schmerzen gelindert werden sollten.
In Præstø angekommen, dann auch wieder das übliche Ritual. Zelte aufbauen, alles einrichten. Da es noch früh war, entschieden wir uns für einen kleinen Stadtrundgang zu Fuß. Viel kann man über die Stadt gar nicht sagen. Keine Menschen unterwegs, alle saßen zu diesem Zeitpunkt in Restaurants, welche alle am Hafen waren. Bei dem Wind konnte man eh nichts anderes Unternehmen. Vier Bier und 30 € weniger in der Tasche, hielten wir es doch für besser Abendbrot am Zeltplatz zu genießen. Wasser kochen, Nudeln mit heißem Wasser aufgießen und umrühren.

Unterkunft eingerichtet

Unterkunft eingerichtet

6. Etappe:

Nachts hatte es wieder mal geregnet. Es schien einiges runtergekommen zu sein. Unsere auf der Leine vergessenen Klamotten waren wieder Nass. Aber zu unserem Glück kämpfte sich die Sonne durch die Wolken und es schien ein angenehmer Tag zu werden. Die Wetterapp bestätigte dies.
Die vorletzte Etappe sollte uns nun weiter an der dänischen Ostküste entlang weiter nach Köge führen. Das Fahren war hier sehr angenehm. Gute Straßen und wenig Verkehr sorgten wieder für schnelles vorrankommen. Die Faxe-Bucht ist mit einem langen weißen Sandstrand ausgestattet, welcher sich sehr gut eignet um sich direkt für eine Pause ans Meer zu legen.

Pause am Strand

Pause am Strand

Auf der Hälfte der Etappe kommt man in der Nähe des Örtchen Højerup an Stevns Klingt vorbei. Dieser Küstenabschnitt ist bekannt für seine hohen Kreidefelsen, welche als Klippen direkt ans Meer heranreichen. Hier steht eine kleine Kirche direkt an der Klippe. Vor einiger Zeit ist hier circa die Hälfte des Baus die Klippe herunter ins Meer gestürzt. Vor hier aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf den gesamten Küstenabschnitt, bis rüber nach Schweden. Das Wasser sieht so gut aus, dass die gemachten Bilder sehr mediterran nach Balearen aussehen und man den Ort nicht für skandinavisch einstufen würde.

Blick auf die Steilküste

Blick auf die Steilküste

Weiter geht es

Weiter geht es

Frischen Fisch gefällig?

Frischen Fisch gefällig?

Abends in Køge angekommen suchten wir den Campingplatz auf. Es kam einem schon sehr merkwürdig vor. Køge ist quasi eine Großstadt und so viele Autos und Menschen war man einfach nicht mehr gewohnt. Viele Wohnmbile und Wohnwagen säumten bereits den Campingplatz. Dieser schien also gut besucht zu sein. Zu unserem Glück war das Zeltareal gar nicht ausgelastet. Das abendliche Ritual wurde wieder ausgeführt.
Da es ja unsere letzte Nacht im Zelt sein sollte, gönnten wir uns etwas Besonderes: ein kleines Lagerfeuer, ein bisschen Bier und Würstchen über dem offenen Feuer gegrillt. Zu unserer Überraschung tauchten auch die beiden Italiener auf, welche wir auf unserer ersten Etappe schon getroffen hatten. Sie gesellten sich zu uns ans Lagerfeuer und wir tauschten unsere Erfahrungen über die bisherige Radtour aus.

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Delikatessen zubereiten

7. Etappe:

Das Zusammenspiel von frisch gebackene Brötchen und das Tour Ziel vor Augen ließ uns den Tag gut starten. Alles wieder auf die Räder gepackt und verschnürt sollte es bei wieder guten Wetter weitergehen, zum großen Ziel: Kopenhagen. Allerdings kamen uns die ersten 15 km vor, als würde man im Kreis fahren. Die Wege und Straßen sind mehr schlecht als recht und das Ziel kam nicht wirklich schnell näher. Nach der Mittagspause am Strand waren die Temperaturen zum ersten Mal so hoch, dass man ohne Jacke, nur im T-Shirt fahren konnte.

Weitere Strandpause

Der Fahrradweg führt hier auch weiter an Küste entlang, bis die ersten Anzeichen einer Großstadt zu erkennen sind. Badestände liegen direkt am Fahrradweg, welche zum Pausieren einladen.

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Man merkt auf einmal, wie die Fahrraddichte zunimmt und plötzlich steht man vor den Toren von Kopenhagen. Auf dem Weg zum Zentrum wirkt alles anders, als gedacht. Zu jeder Straße gehört ein Fahrradweg auf denen sich auch zahlreiche Fahrradfahrer tummeln. An den ebenfalls zahlreichen Ampeln kann es auch auf der Fahrradspur zu kurzen Anstellstaus kommen, da teilweise mehr Räder an der Ampel sich anstellen, als Autos. Wir dachten das wir das schon aus Berlin gewöhnt sind, aber hier wird die Fahrradfreundlichkeit sehr groß geschrieben.

Letztes Briefing

Letztes Briefing

Gleich da

Gleich da

Als wir die Langebro-Brücke überquerten, waren wir quasi schon im Stadtzentrum. Es waren nur noch wenige Meter von diesem Punkt aus. Links von uns konnte man schon den Tivoli-Park sehen und dann war es soweit: Der Rådhuspladsen! Das Ziel war erreicht.
Man konnte es kaum fassen. Ein Blick auf den Fahrradcomputer erbrachte das schöne Resultat: 600km haben wir seit dem Start hinter uns gebracht. Alles lief wie geplant. Alle Schmerzen und Strapazen waren vergessen. Wir holten uns noch jeder ein Siegerbier und genossen den Erfolg.

Rådhuspladsen

Rådhuspladsen

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Am Abend haben wir noch unseren Host von Airbnb, er gab uns die Schlüssel für unser kleines Apartment. Die Fahrräder standen nun also auch sicher und so konnten wir uns in Ruhe die Stadt ansehen, mit allem was dazugehört.

Sightseeing

Sightseeing

Noch mehr Sightseeing

Noch mehr Sightseeing

Den Samstag konnten wir auch noch in Kopenhagen bleiben, da unser Zug erst Sonntag früh nach Berlin ging. Das Thema Rückfahrt ist aber eine andere Geschichte…..

PS: Auch wenn Bert es nicht ganz bis zum Ende der Tour geschafft hat: Du warst immer im Gedanken bei uns! :)